Mai 07
   
Presse-Artikel...
   
     
     
     
         Wiesbadener Kurier • Wiesbadener Tagblatt      

  Klammer-Blues und heiße Beat-Rhythmen
      Oldie-Night im „Turnerheim” mit den „Sheiks”, der Kultband der 60er Jahre - Erlös geht an die Leibnizschule
 Dotzheim

Beileibe keine Rentner-Band: Die "Sheiks" bei ihrem Auftritt in Dotzheim. (Foto: Ditmar Kleindopf)


Kontakt zu...?" - immer wieder kam man ins Gespräch, mit fröhlichem Schulterklopfen, Umarmen. Es war wie ein Schulfest, und auch die Nicht-Leibnizschüler trafen garantiert irgendwen wieder. "Hundert Jahre haben wir uns nicht gesehen" - ein Satz, der an diesem Abend häufig zu hören war. Zwischendurch stärkte man sich mit Erdbeerbowle, Spundekäs' und "Sheiks Hot Balls" mit feuriger Salsa-Sauce, angerichtet in bewährt-liebe­voller Weise vom "Turner­heim"-Pächterpaar Conny und Horst Frenken, die die musika­lischen Bedürfnisse der Ziel­gruppe "Ü 50" erkannt haben.
  Und weiter ging's. "A hard days night" - wie elektrisiert sprang das Publikum auf, sang und hüpfte. "Mr.Tambourine Man", "She loves You" - die Musiker auf der Bühne gaben alles, der Funke zwischen Bühne und Saal sprang hin und her, je später es wurde. Be­geisterungspfiffe, Zugabe­rufe ohne Ende - es war ein Oldie-Abend, wie er auch Dieter Steinbach gefallen hätte. Der Lead-Sänger und Keyboarder hatte im März vergangenen Jahres den Kampf gegen den Krebs verloren - kurz vor dem schon damals geplanten Revival-Konzert in Dotzheim. Er hat nicht nur menschlich, sondern auch musikalisch eine große Lücke hinterlassen. Dass die weit verstreut lebenden Rest-"Sheiks" trotzdem weiter­machen wollen, dürfte ganz in seinem Sinne sein. Und so wie es in Dotzheim aussah, auch ein Wunsch der Fans - "The Beat goes on."



Von
Elke Baade



Leibnizschüler sind schlank. Das fiel jedenfalls bei der großen Oldie-Fete im Dotz­heimer "Turnerheim" ins Auge. Ausgesprochen gut gehalten hatten sich die "Jungs und Mädels", die gekommen waren, um ihre Kultband der 60er Jahre nach fast 40 Jahren wieder zu erleben: Die "Sheiks", die das Konzert zugunsten ihrer alten Schule gaben. Zwar war zunächst das Schlimmste zu befürchten, hatten sich die Fans von einst doch überwiegend an langen Tischen niederge­lassen - wie sollte in dieser gemütlichen Haltung das heiße Feeling von einst aufkommen? Und während an den Stehtischen schon beim ersten Stück - "Brown Sugar" - der Wein in den Gläsern fast überschwapp­te, weil die drumherum Stehenden kräftig mitwipp­ten, blieb es auf den Stühlen noch verhalten. Und auch die "Sheiks" präsentierten sich zunächst eher im Schongang - als schämten sie sich, in ihrem Alter die Energie rauszulassen. Doch es dauerte nicht lange, bis sich die Jungs freigespielt hatten.
  Und dann hielt es auch die alten 68er nicht auf ihren Stühlen: "Nights in white satin" - na klar, zu diesem "Klammer­blues" musste ein­fach getanzt werden. Ganz offensichtlich hat so manche Jugend- oder gar Schülerliebe bis zum heutigen blablabla

Tag gehalten, Wange an Wan­ge, mit nostalgisch verklärten Gesichtern schob so manches Pärchen übers Parkett. Und wer nicht tanzte, sang lautstark mit und schwenkte Wunderkerzen. Ja, da war es wieder, das Gefühl von damals, als man noch im "T 14" abtanzte, im Minirock und in Schlaghosen.
  Schicke Blazer und Perlenkette sah man an diesem Abend in Dotzheim neben Jeans und T-Shirt, viele Männer trugen lässig das Hemd über der Hose, andere waren im Jackett ge­kommen, ergraute Alt-Freaks blablabla

schüttelten ihre Körper wie einst im Mai, andere pflegten ein eher distinguiertes Aus­flippen. "Hey Joe" von Jimi Hendrix - die Ansage von der Bühne löste einen kollektiven Aufschrei aus. Und jetzt hatten auch die "Sheiks" die Hand­bremse gelöst und liefen zur Hochform auf. Hans-Jürgen Fackler bearbeitete seine Gitarre auf dem Rücken, Bernd Becker am Bass bog sich wie ein Jungspund, Fredy Pfirrmann sang sich die Seele aus dem Hals und auch Drummer Kurt Hummel war vom Alte-Zeiten- blablabla

Virus gepackt. Dazu gab's eine bunte Light-Show, kleine Nebel-Spektakel und zeitweise weibliche Gesangsverstärkung. Die Stimmung steigerte sich immer weiter, und auf der Tanz­fläche ging bald die Post ab.
  Dass die Pausen ein bisschen länger dauerten als früher, war nur recht so: Zum Erholen vom schweißtreibenden Treiben braucht man jetzt schon ein bisschen mehr Zeit. Und außerdem gibt's doch so viel zu erzählen. "Dich kenn' ich doch auch", "Was macht denn eigentlich...?", "Hast du noch blablabla