Mai 01
   
Presse-Artikel...
   
     


Wiesbadener Kurier, Donnerstag 24. Mai 2001

Alte „Rebellen“ sind wieder da
Nach 35 Jahren nehmen "The Sheiks" CD auf / Heute live im Waldhaus
  Von Kurier-Redakteur
Dirk Rüsing

WIESBADEN Sie spielten gegen die verstaubte Moral ihrer Eltern an, wurden von den Lehrern gehasst und von ihren Fans geliebt. Sie waren "The Sheiks" und lebten die Musik, die sie machten. Als Schülerband sprangen die Wiesbadener Bernd Becker, Hans-Jürgen Fackler, Hermann Münzer, Fred Pfirrmann und Dieter Steinbach mitten in den generationsbewegten 60er Jahren auf die Welle der Beat- und Rockmusik auf - und erlebten ungeahnte Erfolge. Mit der Musik ihrer Idole, den Beatles, den Searchers, Steppenwolf, den Stones und Eric Burdon - und den eigenen Songs eroberten sie das Rhein-Main-Gebiet im Sturm, so erinnern sie sich heute gern.
    Neben Schule und Studium lebten sie für ihre Band; sparten jede Mark für Verstärker, probten sich die Finger wund, klebten nachts Plakate und gaben bis zu 200 Konzerte im Jahr. Dazu trugen sie bunte Klamotten und "viel zu lange Haare". Schnell waren sie die "größte Band in Wiesbaden und der Region", ihre Auftritte mussten in immer größeren Hallen stattfinden.
    "Aber wir haben uns nie richtig ernst genommen", betonen Bernd Becker und Fred Pfirrmann heute. Rebellen oder Rockstars zu sein, war nicht das Ent-scheidende. "Es ging uns nur um unser Lebensgefühl."
    Davon scheint heute, 35 Jahre später, auf den ersten Blick nicht mehr viel übrig zu sein. Die Ur-Sheiks sind beruflich etabliert, arbeiten als Lehrer, Journalisten oder Unternehmensberater, haben Familien und kurze Haare. blablabla
 

Nach 35 Jahren gönnen sie sich und ihren alten Fans eine CD: "The Sheiks", die rebellischen Wiesbadener Jungs aus den 60er Jahren.

 
   
Einmal im Jahr treffen sie sich zum Segeln an der Cote d'Azur.
    Bei einem dieser Treffen kam ihnen nach viel Rotwein die Idee, die Sheiks wieder auferstehen zu lassen. "Wir haben uns den Luxus erlaubt, eine Platte aufzu-nehmen, wie wir sie damals gemacht hätten", so der ZDF-Redakteur Becker. Denn damals löste sich die Band auf, "kurz bevor es richtig ernst wurde". "Das heißt, als wir an der Schwelle standen, echte Profimusiker zu werden, war es plötzlich nicht mehr unser Ding", erinnert sich Fred Pfirrmann. Sie wollten nur laute, schrä-ge Musik machen, die Plat- blablabla
 
tenfirmen wollten Verträge, Tourneen und PR-Termine. So reichte es nur zu der Single "Roll me over", die die Sheiks 1967 aufnahmen.
    Die neue CD heißt "For You" und ist eine Hommage an die "Leute die damals dabei waren". "Darauf sind unsere 20 Lieblingstitel", so Bassist Becker. Mit zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Keyboards sind sie ins Studio gegangen, um noch-mal den Sound ihrer Zeit aufzunehmen. "Nicht wirk-lich einfach, gerade weil das Studio so modern ausge-stattet war."
    Heute um 15 Uhr laden die Sheiks nun ins Waldhaus ein, um den Silberling vorzu- blablabla
 
stellen. Ein paar Songs wollen sie auch "unplugged" anspielen. Mehr wäre zu aufwendig - jedenfalls jetzt noch. Denn eigentlich haben die fünf ehemaligen Rebel-len, die über die gesamte Republik verstreut leben, gar keine Zeit für ihre Sheiks. "Die CD ist ein Spaß und wir wollen im Waldhaus einfach nur die Leute von damals wiedertreffen und von den alten Zeiten schwärmen", sind sich Becker und Pfirrmann einig.
    "Aber wenn es richtig gut wird?" Dann haben die Sheiks vielleicht ein Problem und müssen sich neu formieren. Angebote liegen Ihnen bereits vor.